Wenn Produkte für die Ewigkeit gemacht sind, ist das ein Qualitätsmerkmal. Für Chemikalien trifft das nicht zu, insbesondere nicht für die per- und polyfluorierten Stoffe (PFAS): Kohlenstoff-Fluorverbindungen die als „Ewigkeits-Chemikalien“ bezeichnet werden. Es geht um mehr als 10.000 Substanzen, deren Nutzung künftig beschränkt werden soll. Dafür gibt es gute Gründe: Diese Stoffe lagern sich nicht nur in Pflanzen und Wildtieren, sondern nachweislich auch im menschlichen Körper ab und können u. a. das Immunsystem beinträchtigen. 

PTFE und PVDF: Zukunft der Fluoropolymere ungewiss

Die Kunststoffindustrie ist auf zwei Ebenen durch das drohende Verbot oder die eingeschränkte Nutzung von zwei Werkstoffen betroffen. Die erste betrifft PTFE und PVDF: Kunststoffe, deren Basismoleküle Fluor enthalten. Zwar sind diese Fluorpolymere nach den Kriterien der OECD als unbedenklich eingestuft und sogar für den direkten Lebensmittelkontakt geeignet. Dennoch steht im Raum, dass ihre Verwendung künftig wenn nicht verboten, so doch beschränkt wird. Ebenso betroffen sind elastische Fluorkautschuke wie FKM, FFKM, FEPM und FVMQ.

PFAS-haltige Additive: Gibt es Alternativen?

Sehr viel größer ist der Anwendungsbereich von PFAS-haltigen Kunststoff-Additiven. Wie das populäre Einsatzbeispiel der Bratpfanne zeigt, zeichnen sich fluorhaltige Werkstoffe durch gute Gleiteigenschaften aus, und eben die sind bei der Verarbeitung von Kunststoffen gefragt – zum Beispiel beim Extrudieren und Blasformen.

Gibt es Alternativen? Ein klares Ja, und ein Beispiel: GM Color wird auf der KUTENO PFAS-freie Additive für die Verarbeitung von Polyolefinen insbesondere bei der Blasfolienextrusion vorstellen. Die fluorfreien Additive ermöglichen stabile Verarbeitungsprozesse und sorgen für Folien-Oberflächen ohne „Haifischhaut“. Und es gibt sogar noch mehr Vorteile: Ihr Einsatz spart: Energie, weil die Extrusion bei niedrigeren Temperaturen stattfinden kann.  

Luftansaugung für Automobil, hergestellt in Blasformtechnik von etimex
Luftansaugung für Automobil, hergestellt in Blasformtechnik von etimex

Oft einfacher umsetzbar als erwartet

Nicht nur auf der Ausstellungsfläche, auch im Vortragsprogramm der KUTENO wird das Thema PFAS adressiert. Dr. Michael Göschl, Group Development Engineer bei der Gabriel-Chemie GmbH, berichtet am ersten Messetag (9. Juni) um 15:00 auf der Blue Stage über „PFAS-freie Polymerverarbeitungshilfsmittel (PPA) der nächsten Generation.“ In seinem Vortrag wird er einen Überblick über aktuelle Alternativstrategien zu PFAS-haltigen PPAs geben. Er wird die Dynamik des Marktes beleuchten und aufzeigen, dass der Umstieg auf PFAS-freie Lösungen in vielen Anwendungen einfacher umsetzbar ist als erwartet – und auch noch zu verbesserten Prozessen und Kunststoffprodukten mit einheitlich hoher Qualität führen kann.

Nicht nur Fluor steht auf der Agenda

Das ist eine gute Botschaft, die aber durch die Tatsache relativiert wird, dass es neben den fluorhaltigen PFAS ja auch andere Stoffgruppen gibt, auf die man künftig verzichten möchte oder muss. Einige Beispiele: Siloxane – beliebt z. B. für die Imprägnierung bzw. Entschäumung sowie die hydrophobe Ausrüstung von Werkstoffen – gehören ebenfalls zu den PFAS. Polyethylenglykole (PEG) als Emulgatoren stehen in der Diskussion, ebenso Bisphenol A (BPA), das als hormonell wirksam gilt und ab Juli 2026 in Maschinen mit Lebensmitttelkontakt verboten ist. Das ursprünglich als Ersatzstoff verwendete Bisphenol S (BPS) soll ähnlich schädigende Wirkung haben.

Fazit: Geht doch!

Auch für diese Stoffe gibt es – dank der Entwicklungsarbeiten der Additiv- und Kunststoffhersteller – Alternativen. Verarbeiter von Kunststoffen und Hersteller von Kunststoffprodukten werden auf der KUTENO Gelegenheit haben, sich mit diesen Entwicklungen vertraut zu machen.