Wer noch nicht kurz vor der Pensionierung steht und somit von der KI-gesteuerten Kunststoffverarbeitung profitieren wird, kann sich auf herrliche Zeiten am Arbeitsplatz gefasst machen: ein kluger Prompt als Sprachbefehl, und schon läuft die Produktion an. Im besten Fall hat die KI auch schon vorher die Produktentstehung übernommen – „Prompt-to-Product“ heißt das Zauberwort.

Und dann geht es selbsttätig weiter: Die Spritzgussmaschinen justieren ihre Parameter eigenständig und optimieren ihre Fahrweise beständig, so dass die Ergebnisse ganz von selbst immer besser werden. Weitere Prozessschritte wie Montieren, Kennzeichnen etc. erfolgen ebenfalls nicht nur ohne menschliches Eingreifen, sondern auch ohne Programmierung, selbst bei großer Variantenvielfalt. Mit anderen Worten: Die Automatisierung wird automatisiert und das Spritzgießen ganz einfach. Auftragsabwicklung und -verfolgung, Materialzufuhr, Instandhaltung (vorbeugend natürlich), Qualitätskontrolle, Management von Dienstleistern, Terminverfolgung …: In der KI-gesteuerten Kunststoffverarbeitung der Zukunft gilt die Devise „All inclusive“

So einfach ist es nicht

Zugegeben: Ganz so einfach wird es wohl zumindest in naher Zukunft nicht werden. Zunächst muss man selbst entscheiden, wo man welches KI-Tool einsetzt – und es gibt sehr viele. Die Voraussetzungen müssen stimmen, die passenden Use Cases ermittelt und dazu wiederum die geeignete Hard- und Software ausgewählt werden. Eine durchgängige IT-Plattform ist nötig, jede Menge Sensorik im Feld und natürlich muss die KI auch so intelligent sein, dass sie mit den zahlreichen Parametern zurechtkommt, die bei jedem „Schuss“ einer Spritzgussmaschine stimmen und zueinander passen müssen.

Schon bevor man tiefer in dieses Thema eintaucht, deutet die Vielzahl der neuen „Buzzwords“ auf die Komplexität der KI-gesteuerten Produktion hin. Einige Beispiele: LLM (Large Language Model), generative KI, agentische KI und Physical AI. Es gibt Orchestrierungs-Frameworks (zum Erstellen von Anwendungen mit LLMs) und Multi-Agent-AI-Plattformen – und der Produktions-Experte mag sich fragen, wie er diese Technologien im Unternehmen installieren und sinnvoll nutzen kann.

Der erste (oder nächste) Schritt: Suche nach Branchenexperten

Diese Frage lässt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit auf der KUTENO beantworten – ganz praxisorientiert. Denn auf der Messe stellen Unternehmen aus, die sowohl KI-Expertise als auch Kunststoffverarbeitungs-Kompetenz mitbringen. Hier kann sich der Besucher entweder nach Ansatzpunkten für einen ersten „Use Case“ umschauen oder aber einen Partner finden, mit dem weitere Schritte bei der KI-Nutzung abgestimmt werden können.

Die Suche kann zum Beispiel bei Refine IT beginnen. Das Unternehmen hat eine Daten-Plattform „powered by AI“ entwickelt, die zentrale Funktionen und Aufgaben wie Projektmanagement, ERP, CRM und Prozessautomatisierung integriert und dank KI eine stetige selbsttätige Optimierung der Prozesse ermöglicht.

Gesucht – gefunden: KI für KMUs

„KI für den Mittelstand“ ist der Claim von Prisavo. Hier steht der Kommunikations- und Informationsfluss im Zentrum der Optimierung. Ein (natürlich KI-gestützter) Wissens-Agent übernimmt Routinearbeiten in der Kunststoffverarbeitung – von der Angebotserstellung bis zur Qualitätsdokumentation. Diese Plattform wird auch im Rahmen des Vortragsprogramms ausführlicher vorgestellt.

Ganz auf die Kunststoffverarbeitung konzentriert sich Osphim genauer gesagt auf die KI-gestützte Analyse von Produktionsdaten und -prozessen. Konkrete Ziele sind das Optimieren von Parametern, die Verkürzung von Rüstzeiten und die Minimierung von Ausschuss.

Ähnlich umfangreich und auch auf die Kunststoffindustrie fokussiert ist die KI-Plattform von Idoo auf der ein „Experience-based Assistant“ ein intelligentes Datenmanagement erlaubt. Auf dieser Basis kann der Anwender seine Prozesse u.a. mit maschinellem Lernen und Business Intelligence optimieren.

Simulation und Innendruckmessung mit KI-Unterstützung

Ianus bietet die Simulation von Fertigungsprozessen als Dienstleistung an. Dabei hat der Anwender auch Zugriff auf einen KI-Assistenten, der konkrete Optimierungsvorschläge macht.

Kistler hat mit STASA QC eine Kombination von künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen entwickelt, die automatisch die optimalen Einstellungen an der Spritzgießmaschine ermittelt und dabei die Forminnendruckmessung nutzt. Durch die Verknüpfung von Maschinenparametern mit Qualitätsdaten ermöglicht die Software kürzere Rüstzeiten, stabile Prozesse und reproduzierbare Ergebnisse – und somit für maximale Effizienz, Qualität und Prozesssicherheit. Im Rahmenprogramm gibt Markus Raffelsieper, Sales Team Leader Plastics von Kistler, einen tieferen Einblick in das KI-Werkzeug.

© Kistler Group
© Kistler Group

KI im Formenbau

Simulation, Auftragsmanagement, Qualitätskontrolle, Produktion… – auf der KUTENO werden KI-Tools für zentrale Prozesse vorgestellt. Bisher nicht erwähnt wurde der Formenbau. Er ist Gegenstand eines Vortrags von Tebis Consulting mit dem Titel „Effizienz neu denken – Mit KI und smarten Prozessen den Formenbau transformieren. Der Vortrag wird zeigen, wie KI‑Agenten und smarte, durchgängige Prozesse dazu beitragen, Daten durchgängig zu nutzen, Silos aufzubrechen, Mitarbeitende zu entlasten und Effizienz, Transparenz und Wirtschaftlichkeit nachhaltig zu steigern.

Blick über den (Messe-Zaun)

Last but not least: Wer den Messebesuch nutzen möchte, um sich über KKI – Künstliche Kunststoff-Intelligenz – zu informieren, sollte bei der Vorbereitung auch das Vortragsprogramm der parallel stattfindenden KPA – Kunststoff Produkte Aktuell berücksichtigen. Am ersten Messetag um 11:00 wird ein Experte von Engel u. a. KI-Lösungen vorstellen, die für stabile und transparente Spritzgussprozesse sorgen – mit einer KI-gestützten Prozessüberwachung und, darauf aufbauend, intelligenter Datenanalyse.