Die Idee ist auf den ersten Blick attraktiv: Optimieren und Automatisieren ohne Investition in Maschinen und Anlagen. Das ist der Grundsatz der Prozessautomatisierung. Die Werkzeuge, die man dazu benötigt, sind digital, und sie lassen sich auf allen Stufen des Prozesses ansetzen. 

Das Konzept besteht im Grunde darin, ein digitales Abbild des Prozesses zu erzeugen, das mit zusätzlichen Informationen angereichert ist. So lässt sich der jeweilige Prozess steuern, vernetzen, optimieren, kontrollieren und dokumentieren.

Wo warten, wo starten?

Kunststoffverarbeiter, die diesen Weg gehen, werden branchentypische Herausforderungen besser meistern. Sie können – zum Beispiel – Durchlaufzeiten verkürzen, ungeplante Stillstände vermeiden und Qualitätsstreuungen in den Griff bekommen.

Wo sollte der Prozessautomatisierer starten in seinem Betrieb? Wo gibt es „bottlenecks“, die zu beseitigen sind, wo sind „quick wins“ zu erzielen? Eine genaue Prozessanalyse kann Antworten und Hinweise auf erste Maßnahmen geben. Für diese Aufgabe gibt es ebenfalls Werkzeuge und kompetente Dienstleister.

Viele Potenziale entlang der Prozesskette

Die Analyse könnte am Start der Prozesskette beginnen – im eigenen Werkzeug- und Formenbau.

• Kann der Kunststoffverarbeiter zu jeder Zeit den aktuellen Status in der Entstehung des Werkzeugs abrufen – und sehen, wo es hakt?
• Welche Maschinen sind für die Bearbeitung vorgesehen?
• Ist alles Material, einschließlich der Normalien, vorhanden?
• Welche Bearbeitungsschritte werden delegiert und ist das vorbereitet?

Für die Beantwortung dieser Fragen gibt es Software, die exakt auf den Werkzeugbau zugeschnitten sind und die auch die „Sprache“ der Kunststoffindustrie sprechen.

Das Werkzeug fest im Blick

Auch im Betrieb gilt es, das Werkzeug im Blick zu halten – am besten digital und in Echtzeit. Das geht mit Software, die kontinuierlich den aktuellen Status und zentrale Parameter wie Temperatur und Druck erfasst, und die Betriebsstunden sowieso. „Mould Monitoring“ kann man dieses digitale Werkzeug nennen. Sein Nutzen ist offensichtlich: Der Anwender erhält eine aktive und umfassende Dokumentation des Werkzeuges im Spritzgussprozess. Er kann rechtzeitig reagieren, wenn sich Parameter verändern und damit unter Umständen lange Stillstandszeiten verhindern.

Vorbeugen ist besser als reparieren

Damit ist schon eine weitere Digitalisierungs-Aufgabe angesprochen: die Betriebsdatenüberwachung (Condition Monitoring). Meist verfolgt sie das Ziel, im Sinne der vorbeugenden Instandhaltung (Preventive Maintenance) Ausfallzeiten zu verhindern und den Betreiber z. B. auf Verschleißerscheinungen aufmerksam zu machen. Auch regelmäßige Serviceaufgaben wie z. B. Filterwechsel sind in der entsprechenden Software hinterlegt. Hier entsteht somit ein digitales Abbild der Kunststoffmaschine, das sich ganz auf die Wartung konzentriert – und dazu beiträgt, dass ungeplante Stillstände der Vergangenheit angehören.

Der Qualität auf die Finger geschaut

Mehrere Software-Lösungen auf dem Markt konzentrieren sich auf das Qualitätsmanagement in der Produktion von Kunststoffkomponenten. Damit werden alle qualitätsbezogenen  Prozesse digitalisiert und können, wenn gewünscht, in bestehende IT-Systemlandschaften integriert werden. Das ist nicht nur für die laufenden Prozesse interessant, sondern auch für den Nachweis und die Dokumentation qualitätsbezogener Daten.

Energiemanagement: Effizienz steigern und CO2-Emissionen bilanzieren

Immer mehr kunststoffverarbeitende Unternehmen erfassen die Energieverbräuche nicht nur an den (Spritzgieß-)Maschinen, sondern im gesamten Betrieb und, wenn es in Richtung CO2-Bilanzierung geht, sogar bei vor- und nachgelagerten Prozessen, vom Kunststoffgranulat bis zum Transport. Für diese Aufgabe gibt es ebenfalls Software-Lösungen.

Simulieren geht über Studieren

Gerade in der Kunststofftechnik spielt – Stichwort Moldflow-Analysen – die Simulation eine wichtige Rolle. Hier gibt es etablierte und auch neue Anbieter, die den Produktionsprozess schon absichern, bevor er überhaupt auf Shopfloor-Ebene begonnen hat. Neu ist, dass solche Lösungen auch als Cloud-Lösung zur Verfügung stehen – als Dienstleistung oder als Lizenzmodell.

Den Überblick behalten – mit ERP, MES & Co.

Neben den hier beschriebenen Prozessautomations-Lösungen für einzelnen Prozesse und Aufgaben gibt es auch Software, die über die gesamte Wertschöpfungskette wirkt und sowohl die technische als auch die kaufmännische Ebene abbildet. Das können „klassische“ ERP-, MES- oder PPS-Lösungen sein, die exakt an die Anforderungen der Kunststoffindustrie angepasst sind. Im besten Fall wandeln sie  Industriedaten in wertvolle Erkenntnisse um und steigern so nachhaltig die Qualität und Effizienz in der Produktion.

Der erste Schritt ins Handeln

Soweit die Übersicht – wie gelingt der Schritt zum Handeln? Oder: Wo und wann gelingt er? Die Antwort: In Bad Salzuflen, vom 9.-11. Juni 2026, auf der Messe KUTENO. Für alle genannten Aufgaben der Prozessautomation stehen dort Ansprechpartner bereit.

Einige Beispiele:

Tiefer einsteigen

Tiefere Einsichten zum Thema Prozessautomatisierung wird das Vortragsprogramm der KUTENO 2026 ermöglichen, insbesondere der von Dr. Tobias Heinen, Grean GmbH, kuratierte Vortragsblock „Prozessautomatisierung in der Kunststoffverarbeitung“.

Empfehlenswert ist auch ein Blick zur Automatisierungstechnik auf der Hardware-Seite: Sie bietet ebenso großes Potenzial, das oft nicht vollständig genutzt wird. Eine kurze Übersicht finden Sie hier.