Nicht erst seit der Fridays for Future Demonstrationen rücken Nachhaltigkeitsthemen in den Fokus der gesellschaftlichen Debatten. Diese werden in den Medien und der Öffentlichkeit teilweise sehr emotional geführt und stellen die Kunststoffindustrie vor großen Herausforderungen. Immer wieder fallen die Stichworte Recycling und Circular Economy. Doch die Umstellung von der heutigen Linearwirtschaft auf ein regeneratives System ist eine komplexe Herausforderung und erfordert neue Technologien und die Zusammenarbeit aller Industriepartner im Prozess.

Trotz der gesellschaftlichen Debatten und des schlechten Images von Kunststoff, steigt die Nachfrage stetig. In seiner Studie „Plastics – The Facts“ vermeldete Plastics Europe, dass die weltweite Kunststoffproduktion 2017 um rund 4 Prozent höher lag als 2016. In Europa stieg die Produktionsmenge der 28 EU-Länder plus Norwegen und Schweiz von 60 auf 64,4 Mio. Tonnen und mit knapp einem Fünftel der weltweiten Produktionsleistung nimmt Europa Rang Zwei unter den Erzeugern ein. Alexandre Dangis, Geschäftsführer des Verbands europäischer Kunststoffverarbeiter (EuPC), bricht deshalb auch eine Lanze für den Werkstoff Kunststoff. „Die Vorteile von Kunststoff werden zur Zeit viel zu oft klein geredet. Kunststoffe können, richtig eingesetzt, hilfreich im Kampf gegen den Klimawandel sein. Sie ermöglichen unter anderem die Vermeidung von Lebensmittelabfällen, den Leichtbau und die Wärmedämmung. Daher sind Kreislauf-Konzepte ein wichtiges Thema für die Kunststoffindustrie.“

Recycling - Ein Schritt in die richtige Richtung

Für das Kunststoffrecycling stehen die Zeichen derzeit nicht schlecht. Die Recyclingquoten, zumindest für das Verpackungsrecycling, sind mit dem Verpackungsgesetz gestiegen. PET-Flaschen sind ein gutes Beispiel für Verpackungsartikel, die sich rezyklieren lassen, meist Bottle-to-Bottle und nicht selten zu 100 Prozent. Hier verzeichnete Europa 2017 eine Recyclingquote von insgesamt 58,2 Prozent bei PET-Flaschen. Doch die absoluten Recyclingtonnagen müssen weiter gesteigert werden, wenn man den hocheffizienten und innovativen Werkstoff Kunststoff weiter nutzen möchte. Gut funktionierende Sammel- und Verwertungskonzepte, die ihre Mengen von Jahr zu Jahr steigern können, gibt es zwar bereits, doch allgemein muss man festhalten, dass der Kunststoff sortenreiner zurückgewonnen werden muss, damit er sich besser aufbereiten lässt. Produktionsabfälle, die sortenrein sind, gehen meist direkt in die laufende Produktion zurück oder werden an spezialisierte Aufbereiter weitergegeben.

Design for Recycling oder Cradle-2-Cradle leben lernen

Die Kreislaufwirtschaft kann sich als starker Motor für Innovationen auf Seiten der Maschinenhersteller und Kunststoffunternehmen erweisen, aber sie beginnt meist bei dem Design neuer Produkte und Komponenten. Will man eine echte Kreislaufschließung beim Kunststoff erreichen, müssen alle entlang der Wertschöpfungskette ihr Wissen einbringen und sich abstimmen. So sollte am Anfang jedes Engineerings die Überlegung stehen, Kunststoffprodukte oder -komponenten sowie Baugruppen so auszulegen, dass ein erfolgreiches Recycling überhaupt möglich ist. In der Regel durchdenken Entwickler und Konstrukteure meist nicht den kompletten Lebenszyklus eines Produktes, was ein gelungenes End-of-Life-Recycling erschwert. Hier sind alle Beteiligten aufgefordert aufeinander zuzugehen. Für die Kunststoffindustrie und die Kunststoffverarbeiter liegt hierin auch eine Chance, ihr Know-how rund um den Werkstoff des 21. Jahrhunderts umfassender in die verschiedensten Branchen einzubringen.