Der Bad Oeynhausener Maschinenbauer Gneuß erhält für die Entwicklung des Polyreaktors Jump den Innovationspreis des Vereins Kunststoffe in OWL. Die schnelle und wirtschaftliche Aufbereitung von PET-Industrie- und Post-Consumer-Abfällen zu neuwertigen Rohstoffen überzeugt die Jury des regionalen Netzwerks der Kunststoffbranche in NRW.

Ostwestfalen-Lippe ist mit über 500 kunststofftechnischen Unternehmen sowie diversen kunststofftechnischen Fakultäten und Bildungseinrichtungen eine der führenden Kunststoffregionen in Deutschland. Seit 2016 verleiht der Verein „Kunststoffe in OWL“ den Kunststoff-Innovationspreis für Entwicklungen auf dem Gebiet der Kunststofftechnik, die perspektivisch deutlich nachhaltig wirken werden. In diesem Jahr hat der in Bad Oeynhausen ansässige Maschinenbauer Gneuß diesen, die nachhaltige Kunststofftechnik und deren Industrie, unterstützenden Preis erhalten. Das Familienunternehmen bietet seit 35 Jahren Technologien, Anlagen und Komponenten für die Kunststoffverarbeitung an. Das PET-Upcycling-Verfahren mit Reaktions-Technologie ermöglicht das Aufbereiten hochvolumiger PET-Industrieabfälle aus der Faser-, Vliesstoff- oder Folienproduktion und verschmutzter Post-Consumer-Bottle-Flakes und basiert auf der GPU-Extrusionseinheit von Gneuß. Bestandteil dieses System ist ein MRS-Extruder, ein rotierender Schmelzefilter und Online-Viskosimeter mit intelligenter Viskositätsüberwachung und -regelung sowie einem angeflanschten Jump-Reaktor.

Im ersten Schritt werden die zerkleinerten PET-Abfälle in den MRS-Extruder eingespeist, aufgeschmolzen und gereinigt. Dank der hohen Dekontaminations- und Entgasungsleistung können selbst stark verschmutzte und feuchte Reststoffe ohne weitere Vorbereitung sofort aufgegeben werden. In der namensgebenden Multi-Rotationstrommel sorgen mehrere Einzelschnecken für eine große Schmelzeoberfläche und eine hohe Oberflächen-Erneuerungsrate, so dass mit herkömmlichen Vakuumpumpen ein optimales Ergebnis erzielt werden kann. Alle flüchtigen Fremdstoffe wie Wasser und / oder Spinnöle werden sicher entfernt. Feste Störstoffe werden im Anschluss durch einen rotierenden Schmelzefilter aufgelöst. Rotary-Filter arbeiten kontinuierlich, prozesskonstant, auf Wunsch automatisch und garantieren mit feinsten Filtrationssieben mit Maschinenweiten bis unter 20 µm eine partikelfreie Schmelze.

Im Anschluss daran wird die gereinigte und homogenisierte Schmelze über eine Schmelzepumpe in den Polyreaktor Jump gepumpt, wo der zweite Schritt des Gesamtprozesses stattfindet. Die Schmelze durchläuft mehrere sich langsam drehende Elemente, so dass sich ein Polymerfilm ausbildet, dessen Oberfläche ständig erneuert wird. Der Reaktor steht unter Vakuum, über die weiteren Prozessparameter Verweilzeit und Drehfrequenz lässt sich die Polykondensationsreaktion zu höheren Viskositäten verschieben. Der IV-Wert der PET-Schmelze lässt sich in einem weiten Bereich gezielt beeinflussen, so dass eine Erhöhung um 0,02 bis maximal 0,3 dl/g möglich ist. Dank der Konstruktion des Jumps ist der Eintrag von Sauerstoff ausgeschlossen, wodurch auch eine Vergilbung der PET-Schmelze entgegengewirkt wird. Nach dem Durchlaufen einer Beruhigungsstrecke wird die Schmelze mit Hilfe einer Austragspumpe direkt in den Produktionsprozess oder einer Granulierlinie zugeführt.

Dank der Flexibilität der Anlage können unterschiedliche PET-Qualitäten erzeugt werden. Im Vergleich zu einer Solid State Polymerisations (SSP) ist der Jump-Prozess eine wirtschaftliche Alternative, da kein erneutes Aufheizen nötig ist. Zudem ist die Reaktionsgeschwindigkeit in der Schmelzephase deutlich höher als in der Festphase.

 

Fact & Figures

Was 1983 mit der Vision eines neuartigen technischen Konzepts und dem Unternehmergeist von Dipl.-Ing. Detlef Gneuß, hat sich heute zu einem weltweit tätigen Unternehmen entwickelt, dessen Innovationen internationale Standards bei der Verarbeitung von Kunststoffschmelzen gesetzt haben.

Schwerpunkt war damals zunächst die Schmelzebehandlung bei der Extrusion von Profilen, Rohren und Platten und der Herstellung von Compounds. Begriffe wie „kontinuierliche Schmelzefiltration“, „Druck- und Prozesskonstanz“ wurden schnell mit dem Bad Oeynhausener Maschinenbauer verknüpft. Zudem war Gneuß der erste, der weltweit quecksilberfreie Drucksensoren und keramisch isolierte Schmelze-Temperatursensoren auf den Markt brachte.

Kontakt

www.gneuss.com

Dr. Axel Hannemann, Gneuß Kunststofftechnik wird der Award von Eckhard Rustige, MöllerGroup, Vorstandsmitglied des Vereins für Kunststoffe in OWL, und Prof. Dr. Bruno Hüsgen, FH Bielefeld, überreicht.