Am 17.Dezember 2018 trafen sich zu einem Roundtable „Die Kunststoffindustrie in OWL“ Experten aus verschiedenen Unternehmen der Region OWL, um dort drängende Themen rund um den Kunststoffstandort NRW zu diskutieren. Mit Günther Neddermann von plasma Ingenieur- u. Verkaufsbüro Neddermann u. Grundorf GmbH & Co. KG und Ernst Siekmann von digicolor Gesellschaft für Kunststoffmaschinentechnik mbH waren auch zwei langjährige Wegbegleiter der Kunststoffverarbeitenden Industrie in OWL vertreten. Mit über 1.000 Unternehmen und mehr als 145.000 Beschäftigten ist Nordrhein-Westfalen der Kunststoffstandort Nr. 1 in Europa. Allein in der Region Ostwestfalen-Lippe sind über 500 kunststofftechnische Unternehmen ansässig. Günther Neddermann und auch Ernst Siekmann begannen ihre Karriere bei einem der vormals renommiertesten Spritzguss-Maschinenhersteller Deutschlands, die Firma Stübbe. Das Unternehmen stand für Kunststoff-Kompetenz in der Region, ehe es sein Spritzgussmaschinen-Geschäft an DEMAG AG verkaufte. Die jahrzehntelange Erfahrung in der Konstruktion und im Vertrieb von Spritzgießmaschinen bei Stübbe veranlasste beide sich mit eigenen Unternehmen selbstständig zu machen. Günther Neddermann gründete 1976 mit Diether Grundorf die Firma plasma und Ernst Siekmann im Jahr 1978 Digicolor, heute ein führender Hersteller von Trockenluft -Trocknungssystemen und Anlagen zur Granulatversorgung für die Kunststoff verarbeitende Industrie in den Bereichen Spritzguss, Blasformen, Extrusion und Compoundierung. In einer kleinen Zeitreise berichteten sie von der Entwicklung des Standortes OWL zu einer der bedeutendsten Kunststoff-Wirtschaftsregionen Deutschlands. Stefan Schmedding (Phoenix Contact), Vorstand der „Kunststoffe in OWL e.V.“ rundete die Reise in die Vergangenheit immer wieder mit Zahlen und Fakten ab.

Wie steht es um die Region OWL?

Man sollte denken, dass diese wirtschaftlich starke Region vom Thema Fachkräftemangel verschont geblieben wäre, aber so scheint es nicht zu sein. Als Wirtschaftsfaktor steht im Kreis Lippe die kunststoffverarbeitende Industrie an zweiter Stelle und in Ostwestfalen an Nr. 5, erklärt Stefan Schmedding. Dies unterstreicht auch die Anzahl der Unis und Weiterbildungsstätten in der Region (Uni Paderborn, FH Bielefeld, FH Lemgo OWL usw.) wo ein Fundament für die Wirtschaft gelegt wird. Doch wenn es um das Thema Nachwuchs geht, belegen die aktuellen Zahlen, dass die Region definitiv ein Fachkräftemangel, auch im Bereich der Kunststoffverarbeitenden Industrie hat. Stefan Schmedding wies auf 4.000 offene Stellen für Fachkräfte im letzten Jahr hin. „Wir haben auf 40 offene Stellen nur 4 Bewerber. Das entspricht einem Verhältnis von 1/10. Auch bei den Auszubildenden sieht es nicht besser aus. 2018 meldeten die beiden regionalen IHKs 170 offene Stellen, worauf sich nur 53 Bewerber meldeten. Also auf 69 Prozent der Stellenanzeigen haben wir überhaupt keine Reaktion bekommen,“ betont Schmedding. Die Gesprächsrunde sah darin auch ein nationaler Wettbewerb innerhalb der Wirtschaftsregionen. „Wir konkurrieren hier in OWL ganz klar mit Wirtschaftszentren in Süddeutschland wie Stuttgart und der Münchner Raum,“ schließt Schmedding. Marco Siekmann, Geschäftsführer bei Digicolor, dazu “Wir müssen den jungen Leuten auch beibringen, das in OWL eine Vielzahl von HiddenChampions angesiedelt ist. Eigenwerbung tut hier Not.“

Digitalisierung sorgt für Gesprächsstoff

Neben dem viel diskutierten Thema Fachkräftemangel kam aber auch noch die Digitalisierung, die Energie- und Ressourceneffizienz sowie der Einsatz von Bio- und Recyclingkunststoffe zur Sprache und sorgte für manch spannende Diskussion. Themen die auf der kommenden KUTENO (7. - 9. Mai 2019) in Rheda-Wiedenbrück sicher auch erörtert werden.

Diskutierten am Round Table (v.l.n.r): Horst Rudolph, Günther Neddermann, Stefan Schmedding, Marko Siekmann, Ernst Siekmann und Jan Harms