Stoffe, die früher als Abfall bezeichnet wurden, gelten heute als wertvolle Rohstoffe, deren Wiederverwendung hilft, die Ressourcen zu schonen. In Deutschland fallen jährlich fast 6 Mio. Tonnen Kunststoffabfälle an und davon entfallen etwa 5 Mio. Tonnen auf Materialien, die durch den Ge- und Verbrauch von Kunststoffprodukten entstehen. Also sogenannte Post-Consumer-Kunststoffe. Den Schwerpunkt bilden dabei mit etwa 3 Mio. Tonnen Abfälle aus dem Verpackungsbereich.

Recycling hat sich zusehends zu einem gesellschaftspolitischen Thema entwickelt. Insbesondere Plastikabfälle stehen dabei immer wieder im Fokus des Interesses. 2015 wurden bereits 46 Prozent der Kunststoffabfälle werkstofflich oder rohstofflich verwertet. Aus Klima- und Umweltschutzsicht ist ein Erhöhen dieser Recyclingquoten absolut notwendig und wird immer wieder gefordert. Auf der Kuteno präsentierte Gneuß den MRS-Recyclingprozess (Multi-Rotations-Extruder), der in den letzten Jahren eine Vielzahl von Zulassungen für die Wiederverwendung von bis zu 100% recycltem Post-Consumer und Industrieabfällen im Lebensmittelkontakt erhalten hat.

Nach dem ersten Letter of Non Objection (LNO) der FDA-Lebensmittelbehörde vor 10 Jahren hat Gneuß weltweit zahlreiche Lebensmittelzulassungen hinzubekommen. Darunter in Südamerika, neben den Zulassungen der argentinischen und kolumbianischen Lebensmittelbehörden, auch die allererste brasilianische Anvisa-Lebensmittelzulassung überhaupt für einen Recyclingprozess von PET-Post-Consumer- und Industrie-Abfällen. In Europa erfüllt der Recyclingprozess die EFSA-Bedingungen für die Verwendung von 100 % Post-Consumer-rPET. Dank der hohen Entgasungsleistung des Multi-Rotationsbereichs im MRS-Extruder werden Dekontaminanten sowie Öle, Gase und Gerüche der gewaschenen, aber nicht vorgetrockneten PET-Recyclingabfälle effektiv entfernt. Und dies ohne eine zeitintensive thermische Vorbehandlung, die oft Probleme wie Vercrackung des Materials oder geringe Flexibilität bei Materialwechseln mit sich bringen. Die Schmelze im Extruder wird dabei äußerst schonend und homogen verarbeitet, so dass die Endprodukte eine hohe Qualität beispielsweise in Bezug auf Gelbwert und Transparenz aufweisen. Durch das Vermeiden einer Vortrocknung stellt der MRS zudem eine besonders wirtschaftliche Lösung zu herkömmlichen Extrusionstechnologien dar.

Im Detail - Letter of Non-Objection

Das Unbedenklichkeitszeugnis (letter of non-objection) von der amerikanischen Lebensmittelaufsichtsbehörde FDA (Food and Drug Administration) bescheinigt die Unbedenklichkeit des gewonnenen PET-Rezyklats für den direkten Lebensmittelkontakt. Aus den so aufbereiteten Reststoffen dürfen Behälter, Folien und Schalen für Nahrungsmittel hergestellt werden. Die FDA Zulassung für die Verwendung von bis zu 100% Bottle Flakes, die allein durch den Extrusionsprozess ohne vor- oder nachgeschaltete Aggregate gewonnen werden, ist ein globales Alleinstellungsmerkmal.

Im Detail – MRS-Extruder

Basierend auf einem konventionellen Einschnecken-Extruder ist der MRS-Extruder im Mittelteil mit einem Multischnecken-Element zur optimalen Entgasung ausgerüstet. Dank dieser Technik wird der polymere Schmelzestrom auf die sich drehende große Einschnecken-Trommel geleitet. In der Trommel befinden sich längs der Drehachse 8 Zylinderbohrungen mit eingelassenen Förderschnecken. Diese Schnecken werden über einen Zahnkranz angetrieben. Sie drehen sich auf ihrer rotierenden Kreisbahn entgegengesetzt zur Extrudertrommel. Dadurch verstärkt sich der Effekt des Oberflächenaustausches der Schmelze überproportional. Die Entgasungsöffnung ermöglicht einen optimalen Zugang zur Schmelze. Damit die Entgasung des Mediums ungehindert erfolgen kann, ist der Zylinder im Multirotationsbereich über die gesamte Länge geöffnet, so dass die Schmelze in diesem Bereich komplett unter Vakuum steht. Darüber hinaus ist eine gezielt kontrollierte Temperaturführung der Schmelze möglich, da sämtliche schmelzeberührenden Flächen gut temperiert werden können. Aufgrund des Multischnecken-Elements ist die für die Entgasung zur Verfügung stehende Oberfläche, um ein Vielfaches größer als bei anderen Extrusionssystemen.

Das Extrusionssystem MRS eröffnet neue Möglichkeiten zur effizienten Entgasung und Extrusion von Kunststoffschmelzen.

Bildquelle: Gneuß

Fact & Figures

Was 1983 mit der Vision eines neuartigen technischen Konzepts und dem Unternehmergeist von Dipl.-Ing. Detlef Gneuß begann, hat sich heute zu einem weltweit tätigen Unternehmen entwickelt. Schwerpunkt war damals zunächst die Schmelzebehandlung bei der Extrusion von Profilen, Rohren und Platten und der Herstellung von Compounds. Rasch setzten sich die technischen Konzepte und Produkte im Markt durch, weil sie bisher nicht gelöste Probleme in der Schmelzebehandlung durch neue technische Ansätze behoben. Begriffe wie „kontinuierliche Schmelzefiltration“, „Druck- und Prozesskonstanz“ wurden zu Standards. Über 100 weltweite Patente sprechen für sich. Neben einzigartigen Technologien, Anlagen und Komponenten für die Kunststoffverarbeitung bietet das Unternehmen innerhalb seiner Business Units schlüsselfertige Lösungen für die hochwertige Produktion von Folien, Fasern und Granulaten an. Mit dem Hauptsitz in Bad Oeynhausen, Deutschland, hat sich das Unternehmen dem Anspruch „made in Germany“ verpflichtet, verfügt dennoch über weltweite Tochtergesellschaften in den USA, Brasilien und China sowie einem Kooperationspartner in Japan.

Kontakt: www.gneuss.com